Bahnbau im Ausnahmezustand:
- BauPartner & Kollegen
- 26. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Was die Generalsanierung der Hochleistungskorridore für den Markt bedeutet
1. Ein Infrastrukturprogramm mit neuer Dimension
Die Generalsanierung der Hochleistungskorridore markiert einen der tiefgreifendsten Umbrüche im deutschen Infrastrukturbau seit der Bahnreform 1994.
Erstmals werden zentrale Schienenachsen nicht mehr abschnittsweise, sondern vollständig und gebündelt erneuert – innerhalb eng definierter Zeitfenster und unter hoher betrieblicher Belastung.
Für ausführende Bauunternehmen bedeutet dieses Programm weit mehr als zusätzliche Auftragsvolumina. Die neue Projektlogik verändert Bauabläufe, Organisationsstrukturen und insbesondere den Bedarf an qualifiziertem Führungspersonal nachhaltig.
Der Bahnbaumarkt tritt damit in eine Phase ein, in der nicht Kapazität, sondern Umsetzungsfähigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird.
2. Ausgangslage und Zielbild Hochleistungsnetz
Das hoch belastete Schienennetz umfasst derzeit rund 4.000 Streckenkilometer – etwa zehn Prozent des Gesamtnetzes, auf denen sich ein Großteil des Personen- und Güterverkehrs konzentriert.
Die durchschnittliche Auslastung liegt bereits heute bei rund 125 Prozent, auf einzelnen Korridoren deutlich darüber. Gleichzeitig sind viele Anlagen überaltert und störanfällig.
Vor diesem Hintergrund reicht eine schrittweise Instandhaltung nicht mehr aus.
Erforderlich ist eine umfassende strukturelle Erneuerung des Netzes.
Bis 2036 soll das hoch belastete Netz auf über 9.000 Kilometer anwachsen. Ziel ist ein bundesweites Hochleistungsnetz als Stabilitätsanker für die gesamte Schieneninfrastruktur.
Im Mittelpunkt stehen dabei:
Auflösung des jahrzehntelangen Investitionsstaus
nachhaltige Steigerung von Kapazität und Zuverlässigkeit
Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik
Modernisierung von Bahnhöfen und Verkehrsstationen
Die Generalsanierung bildet das zentrale Instrument zur Umsetzung dieser Ziele.
Die folgende Übersicht zeigt die geplanten Hochleistungskorridore sowie die Abschnitte der Generalsanierung bis 2036.

Abbildung: Übersichtskarte der Hochleistungskorridore der Deutschen Bahn (Quelle: Deutsche Bahn AG, Stand September 2024)
3. Neue Projektlogik: Sanierung „aus einem Guss“
Kern der neuen Strategie ist die Bündelung sämtlicher Bauleistungen innerhalb klar definierter Zeitfenster.
Anstelle jahrelanger Baustellen im laufenden Betrieb setzt die DB InfraGO auf zeitlich begrenzte Vollsperrungen, innerhalb derer alle wesentlichen Gewerke parallel umgesetzt werden.
Dazu zählen unter anderem:
Erneuerung von Gleisen und Weichen
Austausch der Oberleitungsanlagen
Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik
Aufbau digitaler Stellwerke
Anpassungen an Bahnhöfen und Verkehrsanlagen
Diese Vorgehensweise erhöht kurzfristig die Projektkomplexität, reduziert jedoch langfristig betriebliche Störungen.
4. Projektrealität: maximale Komplexität in minimaler Zeit
Die Generalsanierung stellt neue Anforderungen an Organisation, Logistik und Bauabläufe.
Charakteristisch sind:
mehrmonatige Vollsperrungen
hohe Parallelität von Gewerken
stark verdichtete Bauzeiten
begrenzte logistische Spielräume
hoher Vorfertigungsgrad
intensives Termin- und Schnittstellenmanagement
Der klassische Bahnbau im laufenden Betrieb entwickelt sich damit zu einem industriell organisierten Großprojektgeschäft.
5. 2026 im Fokus: zentrale Hochleistungskorridore
Für das Jahr 2026 sind mehrere besonders bedeutende Strecken vorgesehen:
Hagen – Wuppertal – Köln 6. Februar bis 10. Juli 2026
Nürnberg – Regensburg 6. Februar bis 10. Juli 2026
Obertraubling – Passau 14. Juni bis 11. Dezember 2026
Troisdorf – Wiesbaden 10. Juli bis 11. Dezember 2026
Diese Korridore zählen zu den wichtigsten Achsen des deutschen Personen- und Güterverkehrs und stellen entsprechend hohe Anforderungen an Planung, Bauablauf und Projektsteuerung.
6. Auswirkungen auf ausführende Bauunternehmen
Für ausführende Bauunternehmen verändert sich die Projektrealität grundlegend.
Zentrale Herausforderungen sind:
parallele Umsetzung mehrerer Großprojekte
stark verdichtete Bauzeiten
komplexe Baustellenlogistik
steigende organisatorische Anforderungen
deutlich erhöhter Koordinations- und Dokumentationsaufwand
In der Praxis zeigt sich zunehmend:
Die limitierende Größe im Bahnbau ist nicht Technik oder Bauvolumen, sondern die Verfügbarkeit erfahrener Projektorganisation – insbesondere auf Bauleiter-, Projektleiter- und Steuerungsebene.
7. Arbeitsmarkt und Führung als Engpassfaktor
Parallel zur steigenden Zahl an Projekten verschärft sich der Fachkräftemangel im Bahnbau spürbar.
Besonders gefragt sind derzeit:
Bauleiter und Projektleiter
Oberbauleiter
Vermessungsingenieure
Vertrags- und Nachtragsmanager
Terminplaner und Arbeitsvorbereiter
technische Führungskräfte mit Erfahrung in komplexen Infrastrukturprojekten
Die Folge sind steigende Vergütungen, erhöhte Wechselbewegungen und ein intensiver Wettbewerb um erfahrene Fachkräfte.
Der Bahnbau entwickelt sich damit zu einem der personalintensivsten Segmente der deutschen Bauwirtschaft – geprägt von dauerhaft hoher Nachfrage und strategischer Bedeutung.
Für qualifizierte Fach- und Führungskräfte eröffnet diese Marktentwicklung zugleich attraktive Perspektiven. Erfahrung im Bahnumfeld wird zunehmend zu einem nachhaltigen Karrierefaktor.
8. Fazit: Ein Markt im strukturellen Umbruch
Die Generalsanierung der Hochleistungskorridore ist weit mehr als ein Sanierungsprogramm.
Sie markiert den Übergang zu:
industriell organisierten Infrastrukturprojekten
deutlich komplexeren Bauabläufen
dauerhaft angespannten Personalressourcen
neuen Anforderungen an Organisation und Führung
Für Bauunternehmen wie auch für Fach- und Führungskräfte wird der Bahnbau in den kommenden Jahren einer der strategisch wichtigsten Infrastrukturmärkte Deutschlands bleiben.
Unternehmen, die ihre Projektorganisation und personellen Schlüsselrollen nicht frühzeitig absichern, werden trotz voller Auftragsbücher zunehmend an Umsetzungsgrenzen stoßen.
BauPartner & Kollegen begleitet Bau- und Infrastrukturunternehmen sowie Fach- und Führungskräfte im Bahnumfeld mit tiefem Marktverständnis, fundierter Projekterfahrung und klarer Branchenfokussierung.
Ein vertraulicher Austausch zur aktuellen Marktlage ist jederzeit möglich.



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